E P I L O G

 
           
 

nach  dem  Fremdwörterbuch versteht  man unter Epilog eine  Schluss-

  rede,  Nachwort oder Nachspiel  zu  einem   Drama.  Das Schicksal  des
  Sanktannaer   Gemeinwesens  endet   für  die  einzelne  Familie an  sich
  nicht  in   einem Drama,  aber die Schicksalsgemeinschaft  befindet  sich
  in einer   Auflösung, die man durchaus als dramatisch bezeichnen kann.
  Ein Gemeinwesen das über Jahrhunderte zusammengeschweißt durch:
  Kriege, Krankheiten, Dürreperioden, Feuerbrunst,  Enteignung,   Depor-
  tation, und  nicht  zuletzt  durch  ein  politischen  Systems das sich zur
  freien Siedlermentalität in krassen Gegensatz befand, zerbricht inner-
  halb nur einiger Jahrzehnte.
  Wenn man davon  ausgeht,  dass  die  letzte vorgelebte Gemeinsamkeit  
  in der Heimatorganisation oder bei Heimattreffen  stattfindet, so muss
  man  sich eingestehen,  dass  auch  diese in der nächsten Generation
  an Bedeutung verlieren wird. Die  Frage ob dies zu beklagen ist, würde
  ich wagen eher mit  "Nein" zu beantworten.
  Unsere   wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Lage im  Sied-
  lungsgebiet  Banat  vollzog  sich  zuletzt  unter einer  für uns   fremden
  Oberhoheit, und seit  dem  Beginn  des  20. Jahrhundert sogar in einem
  Nationalstaat ,  dessen  byzantinischer   Hintergrund  Gemeinsamkeit
  zur abendländischen Kultur vermissen lässt.
  Wir  verstanden  uns schon  immer  als  "wir"   und handelten auch so.
  Dass  unsere  Banater  Gemeinschaft als deutsche  Ethnie in Rumänien 
  bezeichnet wurde,  ist signifikant.
  In rumänischen Dokumenten und Publikationen ist zu lesen: "Unsere  
 

Deutsche Minderheit", im Umkehrschluss dürften  wir  die  These  aufstellen "Unsere rumänische Mehrheit", sollte man

  doch  annehmen,  dass   die  ersten  Siedler nicht  nach  Rumänien,    sondern    ins  Kronland Banat, Bestandteil  der   kuk
  Monarchie, gezogen sind.
  Die  Zusammensetzung  der  Minderheiten, zu Beginn des 20. Jahrhundert,   innerhalb  der  Monarchie  wies  eine Quote
  von:  25 % Deutsch-Österreicher, 19,7 %  Magyaren, 13,1 % Tschechen, 9,3  % Polen, 8,2 % Ukrainer und nur 6,4 % Rumä-
  nen aus.
  Es  ist nur all zu verständlich, dass  ein Zusammenwachsen  dieser Nationalitäten zu  einem einheitlichen Konglomerat,
  in  dem  jede einzelne Tradition den Schutz des Staates beansprucht, in  Anbetracht  der  damaligen  Konfrontation  der
  Großmächte  Deutschland, Russland, England, Frankreich und USA,  zwar  eine  edle  aber nie zu realisierende Tatsache
  war.
  Die  Wahrung  ihrer  Identität  wurde  von  keiner Minderheit  jemals infrage  gestellt, und diese war mehrheitlich nicht
  relevant  österreichisch, ungarisch, rumänisch oder sonst.  Die  Großmächte verstanden es zwischen  die Ethnien  der
  Monarchie sozialen, politischen und ethnischen Sprengstoff zu zündeln.
  Nach der Niederlage Österreichs im "Deutschen
  Krieg"   gegen    Preussen,    im   Jahr 1866,  hatte
  Österreich  den  Anspruch auf  ein   Kaiserreich
  verloren.
  Im Anschluss wurde ein Ausgleich mit Ungarn
  im  Jahr 1867  ausgehandelt, gemäß dem Franz
  Joseph zum König von Ungarn gekrönt  wurde.
  Wenn   schon  kein Kaiser,  dann wenigsten  ein
  König, die Hauptsache er war König.
  Welchen  Stellenwert  die  Banater Schwaben in
  der  Doppelmonarchie    einnahmen,    läßt   sich
  aus einer Äußerung Josephs an  Graf   Andrassy
  gegenüber entnehmen:
  "Nehmt Ihr eurer Gesinde, wir nehmen das
  1867 - Die Krönung Franz Josephs zum König von Ungarn

Unsere".

  Wegen der  anschließenden  Zwangsmagyarisierung  hatten sich die Banater erfolglos an König  Franz  Joseph  gewandt,
  alle Petitionen blieben unbeantwortet.  Eine Bindung zum Nationalstaat Ungarn kam schon deshalb nicht zustande,  da
  die überwiegende   Mehrheit Bauern  waren und somit die Schule bereits nach 2 - 3 Klasse  verließen.
  Die Sanktannaer waren darauf konzentriert ihr Vermögen zu mehren, und dies  taten  sie mit viel Erfolg. Auf politische
  Einflussnahme  legte man keinen Wert,  der  allgemeine Wohlstand täuschte über alle Unzulänglichkeiten hinweg.
  Bildung-und Organisationsnotstand,  Information-und Aufklärungsdefizit nach der  Doppelmonarchie
 
  Die  Mehrheit  der  Sanktannaer, insbesondere die Bauern,  konnten sich

  mit dem Nationalstaat Ungarn nicht anfreunden, zumal  auch das  neue
  Schulgesetz die Magyarisierung der gesamten Bevölkerung vorsah.
  Die  Zwangsmagyarisierung beschleunigte  zusätzlich  die Spaltung der
  Gesellschaft  in  Bauern und  Handwerker. Beide   Parteien hatten  ihre
  Ausrichtung in kommunalpolitische Felder gesetzt. Eine  Organisation
  mit  politischem   Konzept, welches   die   Beziehung  (Einbindung)  zum
  Nationalstaat Ungarn regeln soll, gab es nicht. Somit wurde jede  lokale
  Auseinandersetzung als  Angriff auf den ungarischen Staat empfunden,
  und mit militärischen Mitteln unbarmherzig blutig niedergeschlagen.
  Der  Höhepunkt ereignete sich im Januar des Jahres 1889,  als  bei  einer
  lokalen Revolte gegen den Dorfrichter, die ungarische Staatsmacht den
  Einsatz  eines Militärregimentes  befielt. Der blutige Einsatz erforderte
  fünf  Tote    Sanktannaer  Bürger .  Im    Anschluss  wurden   sämtliche
  Aktivitäten  des Bauernvereins verboten und die Gemeinde musste für
  Monate den Aufenthalt der Garnison finanzieren. Durch diesen unver-
  hältnismässig  wie   überflüssigen  Einsatz , war  die  Beziehung    zum
  zum ungarischen Staat schwer beschädigt.
  So  war  es nicht  verwunderlich,  dass  die  Mehrheit der  Sanktannaer,
  nach der Niederlage Deutschland und Österreich-Ungarns  im 1. Welt-
  krieg,  sich  gegen einen Verbleib im Nationalstaat Ungarn aussprach,

Militäreinsatz im Januar 1889 in  Sanktanna

  und den  Anschlusses an Rumänien  befürwortete. Ob überhaupt die Meinung der Sanktannaer  bei  der  Grenzziehung,
  durch die Siegermächte im 1. Weltkrieg   eine Rolle spielte,  ist nicht erwiesen. (Ortsmonographie von Jakob Hübner)
  Jetzt soll alles besser werden ...(!)
  Das  Königreich Großrumänien verpflichtete sich eine gerechte und ausgewogene Nationalitäten-Politik zu führen. Ganz
   schnell mussten unsere  Sanktannaer  erkennen, dass   die  neue  rumänische Administration, mit  der  wirtschaftlichen-
  und  sozialen  Entwicklung  des  Königreichs  Großrumäniens  völlig überlastet   war. Wirtschaftsstruktur  und   Sozial-
  ordnung  von der alten Walachei waren auf das Ardeal (Siebenbürgen und Banat) nicht übertragbar.
  Zitat Paul Milata" Einhellige Meinung außländischer  Journalisten, dass nirgendwo in Europa die soziale Kluft so ausge-
  prägt wie  beim sechsgrößten Erdölproduzent der Welt ist. Auch vermerkten sie,  dass  Staatsbeamte  mit  einer solchen
  Begeisterung und Selbstverständlichkeit korrupt seien, dass die Probleme schier unlösbar erschienen.
  Im Jahr 1930 lebte ein Fünftel der Bevölkerung in den Städten, drei Viertel waren in der Landwirtschaft tätig, weniger als
  ein Zehntel in der Industrie. Erstaunlicherweise war ein Fünftel der Arbeitskraft im tertiären Sektor, vor allem im Staats
  Dienst zu finden.
  Die   nationalen   Gesundheitsstatistiken    malen   ein    düsteres  Bild.
  Im  Jahr  1938 hatte  das  Land die höchste Säuglingssterblichkeit und
  eine der höchsten  Kleinkind-und  Kindersterblichkeitsraten in Europa. 
  Die Ursachen dieser  Zustände waren eine einseitige bzw mangelhafte
  Ernährung,  schlechte   Hygiene,   vor   allem  aber   der  katastrophale
  Zustand medizinischer Versorgung  auf  dem Land.
  Im  Jahr 1938 kamen 4,6 Ärzte auf 10000  Einwohner - allerdings  nur 1,1
  auf  10000 auf dem Land, was der Statistik desselben Jahres für Indien
  entsprach.   Ländliche  Armut  schwankte  mehr  nach regionalen  und
  ethnischen Kriterien. Am schlimmsten traf es die Bauern östlich und
  südlich  des  Karpatenbogens.  In   den  höher   entwickelten,  ehemals
  unglückliche Zeit  unter König Carol  2. habsburgischen und   Regionen  westlich der  Karpaten (  Banat und
   Siebenbürgen)  war der allgemeine Lebensstandard höher.
  Aus den rückständigen rumänischen Regionen wurde Personal rekrutiert und mit staatlichen Mitteln in den Staatsdienst
  in  die ehemals wohlhabenden habsburgische Regionen befördert. Sie  hatten die Mission, den Ardeal  vollständig  zu
  romanisieren,  "Mission Numerus Valahicus"
  In Sanktanna wurden wichtige Ämter wie, Polizeichef, Bahnhofleiter, Stuhlrichter etc mit Rumänen besetzt. Nur  allzu-
  verständlich, dass  unter  diesen  Umständen  die  Wertschätzung der  Sanktannaer für das neue Mutterland Rumänien
  gegen Null tendierte.
  Die  Weltwirtschaftskrise  drängte  Rumänien  an den  Rand  des Ruins.

  Großrumänien litt unter Mangel an kompetenten Wirtschaftsfachleute;
  dies  bekamen besonders auch unsere  Sanktannaer  Bauern und  Hand-
  werker zu spüren.
  Diese   verworrene  Situation nutzten ultranationalistische Kräfte und
gründeten die politische Gruppierung "Eiserne Garde."
Sie  handelten nach dem Beispiel Italiens unter Mussolini und  streuten
Angst und Terror im ganzen Land.
  Über ganz Europa zogen dunkle Wolken des Nationalismus, die unseren
nationalen Minderheitsstatus gefährden.
Nach den Erfahrungen im Nationalstaat Ungarn und Rumänien,
werden  sich   unsere Väter der Schutzmacht Deutschlands  zuwenden.
Das "Dritte Reich"  ist gerade dabei seine völkische Politik zu definieren,

Das Symbol der Eisernen Garde

hier wird uns eine Rolle in der völkischen Gemeinschaft zugewiesen, die mit einmaliger Nachhaltigkeit den Fortbestand
unserer Siedlergeschichte in Osteuropa von Grund auf erschüttert.
   
   
   
  Diese beide Herren unterzeichnen ein Dokument,
  welches dem  Schicksal unserer Gemeinschaft,
  bedingt durch unsere politische Unerfahrenheit
  und Naivität, die Mission  "Freiwilliger Zwang"
  aufbürdet.
   
     
     
  Marschall Antonescu und Reichkanzler Hitler  

Fortsetzung folgt !